„Stimmt’s im Darm, dann stimmen auch Figur und Psyche“

Header Darm alles gut

Interview mit Prof. Dr. Axt-­Gadermann. Ihre Bücher der Reihe „Schlank mit Darm“ wurden zu Bestsellern.

Der Darm wurde jahrelang kaum beachtet. Jetzt ist er ein Trendthema. Warum?

Der Darm mit seinen Bak­te­rien ist inzwischen der Superstar unter den Organen. Neue Analysemethoden ermöglichen uns mittlerweile einen genaueren Blick auf das Leben im Darm. Heute gilt als sicher: Wer die richtigen Darmbakterien besitzt, hat gute Chancen, schlank zu bleiben, keine Allergien zu bekommen und nicht zuckerkrank zu werden. Selbst das Gehirn profitiert nachweislich.

Abnehmen mit Darm – wie geht das?

Mit einer ungünstigen Darmflora wird aus der Nahrung viel mehr Energie gezogen. Habe ich jedoch eine vielfältig zusammengesetzte Darmflora, nimmt mein Darm weniger Kalorien aus der gleichen Nahrung auf. Grundsätzlich gilt: Je mehr gute Bakterien wie Milchsäure- und Bifidobakterien, desto besser. Es braucht ein wenig Geduld, bis sich die Darmkeime umgestellt haben, aber in einem Jahr sind schon zehn Kilo weniger Gewicht möglich. Das untermauern auch wissenschaftliche Studien. Man konnte in wissenschaftlichen Studien feststellen, dass übergewichtige Personen, die „schlank machende“ Darmbakterien einnehmen, schneller Gewicht verlieren als die Kontrollgruppe ohne Bakterienunterstützung.

Wie kommen die „falschen“ Keime in den Darm? Fast Food und Süßigkeiten züchten eine ungünstige Bakterienflora. Besonders schädlich für unsere Darmflora sind aber auch Antibiotika. Nach einer Behandlung steigt das Risiko für Übergewicht deutlich an. Um das zu verhindern, sollte man nach jeder Antibiotikatherapie die Darmflora mit den richtigen Keimen wieder aufbauen.

Kann ich eine wünschenswerte, vielfältige Darmflora auch durch die richtige Ernährung heranzüchten?

Man sollte abwechslungsreich essen. Ganz wichtig für die Darmflora sind so genannte präbiotische Ballaststoffe. Diese sind Futter für die günstigen Bakterien. Wenn man auf die Kantine angewiesen ist, kann man Inulin-Pulver als Nahrungsergänzungsmittel ins Essen mischen. Auch regelmäßige Bewegung tut der Darmflora gut.  Hat der Darm auch Einfluss auf unser Gehirn? Gehirn und Darm verständigen sich über Nervenverbindungen, Hormone und Botenstoffe, die von den Darmbakterien produziert werden. Die Wissenschaft geht heute davon aus, dass in unserem Verdauungstrakt der Schlüssel für Wohlbefinden, Stressresistenz und geistige Gesundheit liegt. In einer Studie erhielten die Teilnehmer täglich probiotische Darmkeime. Alleine dadurch fühlten sie sich weniger gestresst, waren weniger ängstlich und das Wohlbefinden nahm zu.

Ein weiteres Beispiel: Jeder zweite Reizdarmpatient leidet gleichzeitig unter Depressionen oder Angst­stö­run­gen. Behandelt man die Darmbeschwerden mit einer speziellen Keimmischung,  beruhigt sich nicht nur der gereizte Darm, häufig bessern sich auch die psychischen Beschwerden.

Bücher Dr. Professor Axt-Gadermann

 

Schlank mit Darm
Südwest-Verlag,
€ 16,99, ISBN
978-3-517-09365-9

Schlank mit Darm, 6 Wochen Programm
Südwest-Verlag,
€ 16,99, ISBN 978-3517094229

Schlau mit Darm
Südwest-Verlag,
€ 16,99, ISBN 978-3517094694

 

Studien zeigen: Der Darm hat Einfluss auf Gewicht und Altern

Header Studie Mäuse
Dick oder dünn: Darüber entscheidet auch die Darmflora
Eine Studie mit Mäusen belegt, wie wichtig die Darmflora für den Diäterfolg ist 
Die Ansiedelung der Darmflora schlanker Mäuse im Darm von dicken Mäusen verursachte, dass die dicken Mäuse an Gewicht verloren. Umgekehrt funktionierte das nicht: dünne Mäuse sind sehr widerstandsfähig gegenüber der Darmflora dicker Mäuse. Es gibt sehr deutliche Hinweise, dass dieses Prinzip der „schlanken Darmflora“ auch für Menschen gilt.1 Das bedeutet: Die Darmflora entscheidet mit über die Gewichtsentwicklung. Durch gezielte Nahrungsauswahl kann man die Bakterienzusammensetzung der Darmflora beeinflussen. Ein gutes Symbiotikum kann hier entscheidend helfen.

1) Quellen: Ley RE, Turnbaugh PJ, Klein S, Gordon JI. Microbial ecology: human gut microbes associated with obesity. Nature. 2006 Dec 21;444(7122):1022-3. 
PJ Turnbaugh, RE Ley, MA Mahowald, et al. An obesity-associated gut microbiome with increased capacity for energy harvest. Nature. 2006 Dec 21;444:1027-30.
Header Studie Mäuse
Länger und aktiver leben mit junger Darmflora: türkise Killifische
Alte Fische leben länger, wenn sie die Darmbakterien junger Artgenossen erhalten. 
Die Ergebnisse von Forschern des Kölner Max-Planck-Instituts deuten darauf hin, dass die Darmflora tatsächlich das Altern beeinflusst. Die Darmflora des Türkisen Killifischs ähnelt in ihrer Artenvielfalt und Zusammensetzung der des Menschen. In der Jungend sorgen viele verschiedene Bakterienarten für einen gesunden Darm, im Alter nimmt jedoch die Vielfalt der Darmbakterien ab, dafür wird der Anteil der Krankheitserreger größer. Wurde bei den alten Fischen die Darmflora gegen die von jungen Artgenossen getauscht, lebten die alten Tiere nicht nur rund 40 Prozent länger, sonden waren auch aktiv wie junge Fische.

2) Quelle: bioRxiv preprint first posted online Mar. 27, 2017; doi: http://dx.doi.org/10.1101/120980

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